Montag, 23. November 2009

Reisebericht. Teil 1. Brisbane.

Achtung: Diesen (langen) Text habe ich aus meinem kleinen "Tagebuch" abgeschrieben. Dieser Eintrag ist also vom 3.11.2009 (Die nächsten Einträge werden kürzer, versprochen.)


Endlich hab ich ihn gesehen.
Endlich, endlich, endlich!
Endlich hab ich den Pazifik gesehen.
Heute war es soweit.
Ich bin jetzt schon 5 Tage in Australien, Brisbane um genauer zu sein, und erst Heute habe ich es zum Strand geschafft.
Und es war unglaublich. Einfach atemberaubend.
Ich habe ein 130-minütige Reise hinter mir, um diesen Anblick zu haben...und es hat sich gelohnt.
Vom Hotel aus, okay Hostel, musste ich zur Central Station, doch die war nur einen Fußweg von 5 Minuten entfernt. Aber von der Central Station aus, stand mir eine 37,7km Zugfahrt bevor.
Klingt eigentlich nicht lang. Wäre es auch nicht, wenn dieser Zug nicht an jedem Briefkasten gehalten hätte.
Da meine Station "Cleveland" hieß und gleichzeitig auch die Endstation war, dauerte mein "Railtrip" ca. 1 Std. und 10 Minuten.
Mein Ziel war aber nicht Cleveland, dieser Ort ist noch Festland und dort hat man nur einen kleinen Hafen für Privatboote und keinen Strand.
Darum wollte ich auch weiter nach North Stradbroke Island, auch liebevoll Straddie genannt.
Das ist eine kleine Insel und diese liegt östlich von Brisbane und gleich unter Moreton Island, welches etwas bekannter ist.
Zudem ist sie, wie es die Inseln hier noch an sich haben, nur per Fähre erreichbar.
Auf die ich erstmal 20 Minuten warten durfte. Und als ich die Fähre bestiegen hatte, fuhren wir auch gleich los. Ich lies mir die Seeluft um die Nase wehen und nach weiteren 20 Minuten hatten wir dann auch endlich auf Straddie in Dunwich angelegt und ich durfte raus.
Dort angekommen, wollte ich eigentlich zu Fuß weiter, doch ein Blick auf die neuerworbene Karte (die ich kostelos von einem Eisstand hatte) verriet mir, dass ich das lieber lassen sollte, wenn ich dort nicht übernächtigen möchte. Und das hatte ich nicht vor. Ich habe ja nicht mal ein Zelt.
Also entschied ich mich für die kostspieligere Variante, nämlich den Bus und nochmal 20 Minuten Fahrt. Diese kleine "Busreise" war übrigens meine erste Fahrt auf Australiens Straßen mit einem Vehikel. (Schönes Wort, nicht?)
Und ich kann sagen, die ersten Minuten im Linksverkehr sind etwas gewöhnungsbedürftig, zumal, wenn man ganz vorne sitzt, wo man eigentlich ein Lenkrad in den Händen halten sollte und der Busfahrer sich auf seinem Platz, rechts neben einem, wirklich so benimmt, als säße er auf dem Beifahrersitz.
Doch dieser kleine klapprige Bus mit dem gutgelaunten Busfahrer wurde mir schnell sympathisch und somit gewöhnte ich mich schnell dran.
Dann war ich endlich angekommen am gewünschten Zielort.
Einem Ort, der, wie gefühlt eigentlich alles, von James Cook entdeckt wurde. Der hat ihm auch gleich, nachdem er dort schön die Aussicht genossen hatte, passenderweise den Namen gegeben - Point Lookout nämlich.
Ein paar Schritt durfte ich dann auch endlich auf meinen Füßen zurücklegen und sie brachten mich geradewegs an einen der schönsten Plätze, die ich je gesehen habe.
Ich war endlich angekommen.
Ich war am Pazifik!
Es war unglaublich dort!
Natürllich kenne ich Whitehaven Beach, Fraser Island, Byron Bay etc. noch nicht...doch in diesem Moment, war es das Schönste!
Ich hatte sowas ja noch nie zuvor gesehen!
Ein Himmel, so blau. Das Wasser, so klar, rein und ebenfalls blau...außerdam 3-farbig. Am Strand vorne fast noch weißblau, weiter rein hellblau und je weiter es hinaus ging, dunkelblau.
Diesen Strand zu sehen, dieses Wasser, diesen Himmel, hat mich echt umgehauen.
Ich habe angefangen zu grinsen und zu lachen, wie ein kleines Kind, das seine Reaktionen nicht ganz steuern kann.
Ich bin losgerannt, den kleinen Hügel runter auf dem ich stand und den Ausblick genoß.
Weg mit dem Shirt, den Thongs (Keine Angst, so heißen die Flip-Flops hier.), der Tasche und ab ins Wasser!
Es war im ersten Moment zwar kühler als ich annahm, aber das lag nur daran, dass es draußen 31° waren und das Wasser "nur" 21°. Doch von der Ostsee bin ich kälteres gewohnt, darum war es nach ein paar Minuten wie in der Badewanne.
Es war so schön. Dieses warme Wasser zu spüren bis...bis mich die erste große Welle umriß und ich zum ersten mal das Wasser schmecken durfte.
BÄH, IST DAS SALZIG!!!
Aber jetzt, wo ich es weiß, kann ich ja versuchen so wenig wie möglich davon in den Hals zu kriegen. (Kleine Notiz für mich selbst, für den Rest des Urlaubs.)
Doch es war nichtsdestotrotz wunderbar dort gewesen zu sein. Ich bin nicht einmal richtig geschwommen, ich hab nur wie ein kleiner Junge im Wasser geplanscht und mit den Wellen gespielt, die eine unglaubliche Kraft haben, wenn sie einen Meter größer sind als man selbst und auf einen "einschlagen".
Einmal habe ich einfah geistesabwesend die Arme an meinen Kopf gezogen und als die Welle kam , hab ich mir schön selbst einen ungewollten Faustschlag verpasst.
Insgesamt war ich über eine Stunde im Ozean und habe es einfah genossen, zum ersten Mal das Gefühl zu haben, angekommen zu sein in Australien. Endlich den jahrelangen Traum zu leben. Danach war ich auch etwas geschafft und hab mich auf mein Handtuch geworfen.
Leider war ich nicht lange alleine, denn nach nur 5 Minuten hatte ich die Aufmerksamkeit von 3 mutantenähnlichen Fliegen auf mich gezogen, die ständig auf meinem Handtuch oder mir landeten.
Gut, zu Beginn war es nur eine, doch als ich versuchte sie zu verscheuchen, bekam sie Verstärkung. Dann, ohne dass ich es realisierte, setzte sich eine auf meine linke Waade und begann mich zu beißen, stechen, was auch immer...jedenfalls blutete ich und von da an hieß es Krieg. Doch ich musste schnell einsehen, dass ich in Unterzahl war und zog mich zurück.
Was nicht weiter schlimm war, da ich gelesen hatte, dass Point Lookout ein idealer Ort ist um Wale zu sichten.
Es gibt dort sogar eine richtige Aussichtsplattform um die Wale zu sehen.
Also begab ich mich auf die Suche und wurde schnell fündig, als ich "Whale Track - 1,2Km" las, plus Pfeil der mir die Richtung wies.
Nach, ich schätze mal 1,2Km Berg rauf, Berg wieder runter, plus verwundet darüber sein, dass ich vom höchsten Punkt schon wieder entfernt war, realsierte ich, dass mit "Whale Track" einfach nur eine Wnaderstrecke betitelt wurde, die ich nun Rekordzeit gespurtet war, im Glauben den besten Walaussichtspunkt der Insel zu finden.
Also wieder zurück, da ich auf dem Weg 2-3 schöne Plätze gesichtet hatte, von dem aus man ebenfalls perfekt auf den Pazifik blicken konnte.
Einen ausgesucht, saß ich da nun im Wissen nur noch eine Stunde Zeit zu haben, bis der letzte Bus seine Runde dreht und in der Hoffnung bis dahin noch einen zu sichtigen.
Da nach 20-minütigem eifrigen, jedoch ergebnislosen Gestarre (abgesehen von der wunderschönen Aussicht natürlich) immer noch kein Wal ein Anzeichen machte, demnächst aus dem Ozean zu hüpfen, begann ich diese Zeilen hier in mein kleines Heft zu schreiben.
Plötzlich, ich hatte nicht damit gerechnet und war mit meinen Gedanken ganz woanders, war es soweit...der Bus fuhr an mir vorbei.
Ich sprintete los, da ich wusste, dass ganz in der Nähe eine Haltstelle war (zudem rannte ich einfach querfeldein) und ich erreichte sie auch rechtzeitig, doch der Bus fuhr einfach weiter.
Da fiel es mir auf...verfluchter Linksverkehr!!! Ich stand auf der falschen Seite!
Also rannte ich weiter und glücklicherweise hatte mich die Busfahrerin gesehen und wartete an der (richtigen) Haltestelle.
Sie lächelte und ich stieg ein mit leicht schmerzverzerrten Gesicht, denn ich rannte mit Flip-Flops...autsch.
Da saß ich nun im Bus und war glücklich und zufrieden mit meiner Entscheidung, einen Trip nach Straddie gemacht zu haben...alleine.
Als ich dann auf der Fähre Richtung Cleveland war, dachte ich nochmal über alle Bilder in meinem Kopf nach und kam zu dem Entschluß, überhaupt nicht traurig darüber sein zu müssen, keine Kamera dabei gehabt zu haben (Was eine Lüge ist, denn ich hatte sie mit, bin doch nicht bescheuert. Nur hatte ich vergessen den Akku aufzuladen), denn dadurch dass ich keine Bilder schoss, haben sich die die Eindrücke und Momente viel intensiver in meinem Kopf gebrannt, als es ein Bild je könnte.

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